<< die glorreichen sieben | Main | Don't listen to this >>
26.08.05
Sie schon wieder, Herr Kaiser!
Es begab sich in den ersten Monaten des Jahres 2005 christlicher Zeitrechnung, daß ein gewisser, damals noch in Kreuzberg wohnender Herr Floyd, wir wollen ihn Sean nennen, auf seinem geschäftlichen Anrufbeantworter eine Nachricht von einem ihm unbekannten Herrn vorfand, laut welcher genannter Sean ebenjenem Herrn als Geschäftpartner empfohlen worden sei und man daher die Möglichkeiten gemeinsamer Unternehmungen ausloten wolle. Da darbende Selbständige dazu neigen, von ebensolchen Anrufen zu träumen schaltete auch unser Sean sein Großhirn aus und rief die aufs Band gesprochene Telefonnummer an.
Am Apparat war eine freundliche junge Dame, die sich als Mitarbeiterin der HMI, einer Tochter der Hamburg-Mannheimer Versicherungsgesellschaft vorstellte. Versicherung, aha. Aber sie schien gleich zu wissen mit wem sie es zu tun hatte, Herr Floyd sei der Firma als qualifiziertes Führungspersonal empfohlen worden (allein schon dieser Witz ist gut). Auf die Frage, woher diese Empfehlung stammte, nein, das wisse sie nicht, aber ihr Chef wisse das. Ob man einen Termin vereinbaren könne? Ja, man könne.
Sean begab sich also in jene Räumlichkeiten am Kurfürstendamm, die schlicht und vergleichsweise geschmackvoll eingerichtet waren, und auf deren Fluren junge, auffallend nette Menschen Neuankömmlinge auffallend freundlich begrüßten, bis er schließlich dem Anrufer aus dem ersten Absatz, wir wollen Ihn Herrn Kaiser nennen (the names have been changed to protect the innocent guilty) gegenüber saß, und dieser ihm sein Pyramidenkonzept (ach nein, sowas ist ja verboten) erläuterte. Herr Floyd sollte also nicht etwa Mitglied einer Drückerkolonne werden, nein, keineswegs, sondern er sollte eine solche führen und zwar auf reiner Provisionsbasis. Schnell wurde vorgerechnet, wieviel Geld dabei verdient werden könne, selbst die Abschlüsse der von den selbst ausgebildeten Ausbildern Ausgebildeten brächten noch Provisionen n-ten Grades (Brain Damage). Langsam meldete sich das Großhirn zurück und erhob leichte Zweifel, man verblieb aber so, daß Herr Floyd nichts unterschreiben werde, ehe er dies mit seiner Frau beraten habe (gewitztes Rückzugsmanöver, das Herrn Kaiser gar nicht passte, har har).
Zuhause angekommen überlegte Sean ernsthaft ob er sich auf den Deal einlassen sollte, auf dem Spiel stand lediglich ein einmaliger Kostenpunkt für eine Schulung in einem Luxushotel zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis (zweistellig, wenn die Erinnerung nicht täuscht). Um seine Entscheidung zu erleichtern konsultierte er das in jener Zeit gebräuchliche Orakel Guhgl aus dem fernen Mountain View. Jenes gab, wie für Orakel üblich, mehrdeutige Antworten, selbst positive Erlebnisberichte waren zu finden (die Betonung liegt auf _selbst_), allerdings war der Grundtenor: wer es auf diesem Feld zu etwas bringen möchte, der muss seine Seele an den Scheitan verkaufen. Und das hat Sean nicht vor.
Herr Kaiser ruft also an am nächsten Tag, pünktlich zum verabredeten Termin und Sean sagt: "also das ist so, ich hab im Internet gelesen", worauf spontan die auswendig gelernte Antwortwurst des Herrn Kaiser beginnt, nach der das Internet im wesentlichen ein Zufluchtsort für frustrierte ist. Sean macht weitere Versuche, Herrn Kaiser von seiner nicht-Eignung für diesen Job zu überzeugen, Kaiserchen redet auf ihn ein und versucht ihm eine Versicherung anzudrehen ihm den Job schmackhaft zu machen und Sean wird endlich klar, was seine Aufgabe in dieser Firma wäre: ebensolche Telefongespräche wie dieses führen, bloß eben in die andere Richtung. Und da Sean im Gegensatz zu Herrn Kaiser schon im Kindergarten die Bedeutung des n-Wortes gelernt hat sagt er zu Herrn K: "die Antwort ist nein", legt erleichtert auf und hört nie wieder was von Herrn K.
Bis heute, da klingelt mein f...ing-Handy und eine Dame erklärt mir sie sei von der Hamburg-Mannheimer und man möchte gern mit mir zusammen ein Ausbildungszentrum für Führungspersonal aufziehen, da ich tatkräftig und zielstrebig sei. Diesmal hab ich dazugelernt und die Dame freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen daß ich nicht interessiert bin, nächstes Mal werde ich pampig und mache der Dame klar, daß sie eben nichts von mir weiß, sondern ihr dämlicher Schuppen nur eine Liste mit Telefonnummern von Selbständigen gekauft hat, die sie jetzt abklappern muß und dass ich sie um diese Aufgabe nicht gerade beneide. Scheißwelt.
Posted by Sean P. Floyd at 26.08.05 13:24
Comments
Post a comment
Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)